Die Natur hat seinen Lebewesen etwas sehr Schönes und Wirkungsvolles mitgegeben, um sich besser zurechtzufinden: Schwarmintelligenz, auch Kollektive Intelligenz genannt. Sie beschreibt das Phänomen, dass Gruppen von Individuen – ob Ameisen, Vögel oder eben auch Menschen – durch einfache Interaktionen und dezentrale Selbstorganisation zu erstaunlich klugen Lösungen gelangen. Inspiriert von der Natur, etwa dem Schwarmverhalten von Fischen oder dem kollektiven Bauverhalten von Termiten, überträgt dieser Ansatz das Prinzip auf menschliche Systeme: Statt auf einzelne Experten oder hierarchische Entscheidungen zu setzen, nutzt Schwarmintelligenz die Vielfalt, Unabhängigkeit und lokale Expertise vieler. Wenn man so will: Der Wer-Wird-Millionär Publikumsjoker (der treffsicherste von allen) in der eigenen Organisation. Das Besondere daran? Die Gruppe trifft oft bessere Entscheidungen als der klügste Einzelne – vorausgesetzt, die Teilnehmer sind divers, unabhängig in ihrer Meinungsbildung und effektiv vernetzt.
Auch in Unternehmen eröffnet Schwarmintelligenz revolutionäre Möglichkeiten, denn wie beim Bienenvolk hat jeder (Super-)Organismus mit seinen vielen Mitgliedern ein kollektives Wissen, das sich nur in der Gesamtorganisation zeigt. Schwarmintelligenz fördert Innovation durch breite Perspektiven, beschleunigt Entscheidungsprozesse und stärkt die Identifikation der Mitarbeiter mit den Ergebnissen. Ob bei der Entwicklung neuer Strategien, der Priorisierung von Projekten oder der Risikobewertung – die kollektive Intelligenz der Belegschaft wird zum strategischen Erfolgsfaktor. Der Clou: Nicht die Lautesten oder Mächtigsten dominieren, sondern die besten Argumente und Ideen setzen sich durch – ein beteiligungsorientierter und zugleich hoch effizienter Ansatz für die Herausforderungen der modernen Arbeitswelt.
Wie lässt sich diese Schwarmintelligenz nun nutzen in einem großen Organismus bzw. einer großen Organisation, wenn Schwarmintelligenz doch per se nur dezentral entstehen kann? Wir haben darauf eine sehr einfach Antwort gefunden: Durch KI. Wir leben in einer Zeit, in der täglich neue Anwendungsfälle von KI bekannt werden. Nicht alle davon sind wirklich sinnvoll, sondern oft nur deswegen entstanden, weil das Thema gerade „in“ ist. KI ist kein Selbstzweck. Aber gerade in der Kombination mit der Nutzung von Schwarmintelligenz in einer Organisation bietet es enorme Möglichkeiten, KI einzusetzen.
Kurz: Uns hilft KI bei der Nutzung von Schwarmintelligenz, die wir mit Hilfe eines massiv beteiligungsorientierten Ansatzes ermöglichen.
Das ist deshalb so wichtig, weil große strategische Veränderungen oft daran scheitern, dass
- sie wesentliche Dinge oder auch allererste Anzeichen für Veränderungen nicht beachten oder
- die Organisationen die Veränderungen nicht mittragen,
auch wenn diese unausweichlich und (zumindest für das Kollektiv) richtig sind.
Es ist also erstens nicht ratsam, dass nur ein kleiner, erlauchter Kreis, solche wegweisenden Strategien ausarbeitet. Die Komplexität und Unvorhersehbarkeit der heutigen VUCA-Welt sind einfach zu groß. Jede Abteilung, jedes Team und jeder Mitarbeiter hat aber durch individuelle Arbeitserfahrung und Netzwerke wichtige Einblicke in die Organisation und ihre Umwelt. Schon der heilige Benedikt hat dies vor 1.500 Jahren erkannt und deswegen dem Abt in seiner Regel eine Hilfestellung mitgegeben: „Dass aber alle zur Beratung zu rufen seien, haben wir deshalb gesagt, weil der Herr oft einem Jüngeren offenbart, was das Bessere ist.“ (RB Kapitel 3: Die Einberufung der Brüder zum Rat). Schöner kann man es nicht ausdrücken. Jeder hat etwas Wichtiges beizutragen, wenn man ihn dabei unterstützt, es in Worte zu fassen. Die Nutzung dieses wahren Schatzes, also die Berücksichtigung vieler Perspektiven durch Partizipation, kann so zum Erfolg einer Veränderung beitragen.
Ein zweiter sehr wichtiger Aspekt ist die bessere Akzeptanz für Veränderung in der Organisation, weil die Veränderungsmaßnahmen dann nicht nur von „denen da oben“ kommen, sondern aus dem operativen Herzen der Organisation selbst.
Aber wie können alle mitgenommen, die wichtigen Einblicke gesammelt und zugleich eine einheitliche und konsistente Strategie daraus entwickelt werden?
Genau hier kommt bei uns die KI ins Spiel in Form unserer Esteamacon CSI (Crowd-sourced Strategy Intelligence). Wir kitzeln die wichtigen, überwiegend textbasierten Informationen und Meinungen in Umfragen und Team-Workshops aus den Teilnehmern heraus und sammeln sie in einer solchen Weise, dass sie im nächsten Schritt durch eine KI aufbereitet werden können. Unsere Erfahrung hilft uns dabei, Fragen so zu stellen, dass die KI aus den gegebenen Antworten besonders brauchbare Erkenntnisse generieren kann und wenig „haluziniert“. Natürlich könnten wir das auch selbst machen, aber eine KI bietet hier zwei wesentliche
Vorteile:
1. Zum einen wäre es signifikant mehr Aufwand, wenn ein Berater alle Texte (tausende) lesen, kategorisieren, zusammenfassen und interpretieren müsste.
2. Zum anderen können wir nie so objektiv wie eine KI sein. Wir sind als Dienstleister der Organisation unvermeidlich schon etwas voreingenommen (biased) in der Interpretation vieler Aussagen. Eine KI hat hier den Vorteil der Objektivität und kann neue Erkenntnisse aus sehr viel Text generieren, die uns menschlichen Analysten verborgen geblieben wären.
3. Außerdem sind wir durch die KI in der Lage, jedem Ideengeber eine randomisierte Auswahl von anderen, bereits eingegebenen Ideen zur Bewertung vorzulegen. Die KI sorgt dafür, dass jede Idee im System durch so viele Feedbacks bewertet wird, dass wir nicht nur eine Liste von Ideen, sondern eine priorisierte Liste von Ideen als Ergebnis erhalten, priorisiert nach der Weisheit der Vielen.
Diese Vorteile ermöglichen es uns, aus dem riesengroßen Schatz an chaotischen Informationen in einer Organisation strukturierte und übersichtliche Zusammenfassungen zu erstellen, die ein hohes Maß an Objektivität haben. Durch die richtigen Prompts können wir sowohl die großen wichtigen Themen herausfiltern, die die gesamte Organisation bewegen, als auch gute Einzelideen aufgreifen und mit anderen guten Ideen zu konkreten Handlungsvorschlägen zusammenfassen. Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist dabei allerdings, dass schon beim Sammeln der Informationen eine gewisse Struktur vorgegeben wird, beispielsweise durch konkrete Fragen oder Themenblöcke und gewisse Vorgaben, wie Antworten formuliert werden müssen. Beispielsweise eine Frage in der Form „Was bedeutet die strategische Initiative 3 für Sie?“ und eine Antwort in der Form „Für mich bedeutet strategische Initiative 3, dass …“. So, kann die Qualität der Auswertungen durch eine KI signifikant erhöht werden. Eine KI kann also nicht die ganze Arbeit abnehmen, aber eine extrem gut vorqualifizierte und priorisierte Vorschlagsliste sowie ausgesprochen schlüssige Zusammenfassungen und inhaltliche Strukturen generieren. Wir Berater müssen in der Vorbereitung und Umsetzung schon noch gehörig Hirnschmalz einsetzen, auch bei der Formulierung der Prompts und bei der kritischen Hinterfragung der Ergebnisse. Die Entscheider werden nicht entmachtet, sondern bekommen einen ziemlich qualifizierten Co-Piloten an die Seite gestellt. In einer Metapher aus dem Mobilitätssektor würden wir von assistiertem Fahren und nicht von autonomem Fahren sprechen.
Das Endergebnis dieser Esteamacon CSI ist dann zwar keine fertige, unantastbare Strategie, aber zumindest ein sehr guter erster Entwurf für eine Strategie in Inhalt und Struktur, die nicht nur zukunftsrobuster ist, sondern auch von der gesamten Organisation mitgetragen wird. Genau wie in einem Bienenschwarm, in dem die Schwarmintelligenz den Weg vorschlägt und alle Individuen gut folgen können.
upgr8 gmbh Armin D. Blassnig Maximilian Kammerer David Rohrmann
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